Make the Bible (your) Priority again!

Rolf Marcel Fischer
veröffentlicht am 13.2.2025

Einleitung: Fokus setzen!
Jetzt mal ehrlich: Was nimmt in Deinem Leben mehr Raum ein? Gebet oder Apologetik? Die Bibel oder Podcasts? Theologie oder Philosophie? Anders gefragt: Redest Du mehr über Gott als mit Gott?
Das geistliche Leben ist das absolute und nicht verhandelbare Fundament eines jeden Christen – insbesondere für jene, die apologetisch und evangelisierend unterwegs sein wollen. Warum? Im Folgenden will ich vier Gründe vorlegen, warum Du dringend mehr Zeit mit Gottes Wort als mit apologetischen Themen verbringen solltest!
Heiligung und Theologie als Fundament der Apologetik
Was auf den ersten Blick offensichtlich erscheint, ist es eigentlich gar nicht: Jede ernsthafte Apologetik muss in der Schrift und in der Heiligung verankert sein. Wie oft erleben wir, dass Apologeten, angetrieben von neuen Argumenten oder Methoden, anfangen, ihre Theologie mehr und mehr an philosophische Systeme oder pragmatische Ansätze anzupassen. Doch geschieht dies, weil sie tiefer in der Schrift gegraben haben? Weil sie im Gebet, in der Gemeinschaft mit Glaubenden und durch die Führung des Heiligen Geistes erkannt haben, dass ihre bisherigen Annahmen über Gott korrigiert werden müssen? Leider nicht immer. Viel zu oft ist es genau umgekehrt: Apologetische Methoden und Denkweisen werden zum Maßstab für das Verständnis der Bibel – eine fatale Umkehrung.
Theologie, also das Studium Gottes, und das geistliche Leben eines Apologeten sind untrennbar miteinander verbunden. Die Bibel ist nicht nur die Quelle aller Wahrheit, sondern auch der Maßstab, an dem jede Methode, jedes Argument und jede Aussage überprüft werden muss. Wer ohne diese Grundlage apologetisch tätig ist, riskiert nicht nur, eigene Ansichten oder philosophische Vorlieben über die Schrift zu stellen, sondern entfernt sich auch zunehmend von der Demut, die für ein wirksames Zeugnis Christi notwendig ist.
Deshalb gilt: Der Ausgangspunkt jeder Apologetik ist die Heiligung – das bewusste Absondern für Christus durch Gebet, Studium und das Leben in der Schrift. Ohne dieses Fundament wird das apologetische Wirken fruchtlos bleiben. Die entscheidende Frage ist: Formt die Bibel Deine Apologetik, oder passt Du die Bibel Deiner Apologetik an?
Wer in der Schrift zuhause ist und ein lebendiges geistliches Leben pflegt, wird feststellen, dass dies nicht nur die Qualität seiner Argumente hebt, sondern auch sein ganzes Wesen und Zeugnis verändert. Theologie und Heiligung sind nicht nur der notwendige Anfang, sondern auch das Ende aller Apologetik.
Einheit und Fokus
Ein solches Denken bewahrt davor, in das Hamsterrad bloß intellektueller Bestätigung zu geraten. Stattdessen wird das geistliche und theologische Durchdringen der Schrift zur Grundlage, die das eigene Denken, Reden und Handeln ordnet. Und genau das ist der Schlüssel: Christus muss im Zentrum stehen – nicht als Idee, sondern als lebendiger Herr. Dann wird auch Apologetik zu einem Mittel, das auf Gott hinweist, statt nur intellektuelle Probleme zu lösen.
Durch diese Verbindung von Heiligung, Theologie und Apologetik entsteht ein wirksames Zeugnis, das nicht nur das Denken, sondern auch das Herz der Menschen erreicht.
Die innere Haltung ist entscheidend: 1 Petr 3,15 richtig verstehen
Fragt man Apologeten weltweit nach der Legitimierung ihres Tuns, wird meistens 1 Petr 3,15 zitiert: „…Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist…“ (SCH2000)
Dies stimmt auch völlig: Wir sind aufgerufen, in der Lage zu sein, jedem Rechenschaft über die Hoffnung zu geben, die in uns ist. Was aber vergessen wird, ist, dass der Vers noch viel länger ist und noch dazu in einem Kontext steht, der die Bedeutung dieser Stelle offenbart: Die Bibel besteht aus Texten, die zu einer bestimmten Zeit, für bestimmte Leute aus einem bestimmten Grund geschrieben worden sind und ist kein Abreißkalender zur morgendlichen Ermunterung und Ego-Motivation.
Doch wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig seid ihr! Ihr Drohen aber fürchtet nicht und lasst euch nicht beunruhigen; sondern heiligt vielmehr Christus [andere Manuskripte: Gott], den Herrn, in euren Herzen! Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedermann, der Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist, [und zwar] mit Sanftmut und Ehrerbietung; und bewahrt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verlästern, zuschanden werden in dem, worin sie euch als Übeltäter verleumden mögen. Denn es ist besser, dass ihr für Gutestun leidet, wenn das der Wille Gottes sein sollte, als für Bösestun.
Der Kontext offenbart etwas grundlegend Neues: Es geht um das Leben in der Verachtung und Verfolgung. Es geht in dem Text darum, das eigene Leben und Christus zu heiligen und darin und dadurch ein lebendiges Standbild Christi in dieser Welt zu sein, um jene zu entblößen, die den Namen Christi schmähen. Diese Stelle über die Heiligung Christi in unseren Herzen, ist übrigens eine gute Stelle, um die Göttlichkeit Christi darzulegen, denn sie ist eine wörtliche Übernahme einer Stelle aus Jes 8,13, wo es heißt: „Den Jahwe der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; er sei eure Furcht und euer Schrecken!“ Christus wird hier deutlich als Jahwe bezeichnet, was nur verloren geht, weil in Griechischen nicht des Tetragramm, sondern „Kyrios“ steht.
Selbst wenn ich legitimerweise diese Stelle als Rechtfertigung der Apologetik sehe, bin ich im gleichen Maße zum Rest aufgefordert; Christus in meinem Herzen zu heiligen. Heiligung meint Trennung, Separation, emporheben: Christus muss das Zentrum, die Quelle, der Anfang und das Ende meines ganzen Denkens, Redens und Tuns sein. Doch wie soll dies geschehen, wenn ich Christus nicht kenne? Wie will ich Christus kennen, wenn ich die Schrift nicht kenne? Der Kirchenvater Hieronymus hat einmal in seinem Kommentar zum Buch Jesaja geschrieben: „Die Schrift nicht zu kennen, bedeutet Christus nicht zu kennen.“
Zuerst also muss ich gemäß dem Wort Gottes nach, Christus heiligen. Wie tue ich dies? Durch das Gebet, durch das Lesen, Beten und Studieren der Schrift (Lesen, Beten und Studieren sind drei verschiedene Dinge!!!), durch die Gemeinschaft mit den Glaubenden.
Aber nicht nur, weil die Schrift es sagt, sondern auch, weil ein Christ viel mehr durch sein Sein Christus aufscheinen lässt, als durch sein Reden. Ein betender Christ und ein nicht betender Christ lassen sich selbst von dem größten Heiden leicht unterscheiden. Wie das? Jeder kann ein Liebesgedicht zitieren, doch zu lieben und geliebt zu werden, gibt dem Gedicht erst Form und Ausdruck. Jeder kann über Gott reden. Doch über den zu reden, der mich von Ewigkeit her berufen und geliebt hat und im Herzen seinen Namen heilig zu halten, durchzieht das ganze Wesen und damit auch das eigene Reden. Das gilt für das persönliche Zeugnis, aber auch für die Interaktionen auf den sozialen Plattformen, wie YouTube, TikTok und Instagram.
Das Wort ist Kraft und Quelle des christlichen Lebens
Ohne das Wort Gottes ist ein Christ nichts. Nicht nur, weil Christus das Wort ist und ohne Christus es keine Christen geben kann, sondern auch, weil die Schrift wieder und wieder über die Macht, die Schönheit, die Perfektion und die Stärke des göttlichen Wortes spricht. Lesen wir nur Jes 55, Ps 19 oder gar den wunderschönen Ps 119. Der Herr selbst hat durch Sein Reden und Tun die Macht des göttlichen Wortes beschrieben: Kein Jota wird vergehen. Als Er vom Satan verführt werden soll (der Geist schickt Ihn dazu in die Wüste!), womit Antwort der Sohn des lebendigen Gottes? Mit dem Wort Gottes! Selbst das kleinste Detail des göttlichen Wortes ist entscheidend: Denke nur an die Stelle, in der Christus über die Auferstehung gefragt wird und Er auf Jahwes Antwort an Moses am brennenden Dornbusch rekurriert, wo Jahwe sagt: Ich BIN der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Wie kann Jahwe Gott von Menschen sein, die schon tot sind? Gar nicht, da sie noch bei Gott leben. Es ist die Zeitform eines einzelnen Wortes eines einzelnen Verses der Schrift, die Ihm reichen, um die Auferstehung der Toten als wahr zu bestätigen. Wenn Christus die Schrift so hoch schätzt, wie hoch muss ich es dann tun? Wenn Christus vor jedem wichtigen Schritt die Nächte allein im Gebet auf dem Berg verbracht hat, wer bin ich dann, einfach wahllos auf meine eigene Klugheit bauend, apologetisch und evangelisierend tätig zu sein?
Ohne Gebet, ohne die Schrift, ohne die lebendige Beziehung zu Christus mag ich der brillanteste Apologet unserer Zeit sein, aber mein Wirken wird fruchtlos bleiben: Ohne Ihn können wir nichts vollbringen, sagt der Herr (Joh 15,5). NICHTS!
Natürlich ist das geistliche Leben nur selten ein reiner Aufstieg zu Gott, wie es Johannes vom Kreuz beschrieben hat. Meistens ist es ein Auf und Ab, ein stetiger Prozess der Umkehr und Erneuerung und ein darin immer stetiges Wachstum in Beharrlichkeit, Ausdauer und Hoffnung. Doch dieses Bemühen der Umkehr und der Rückkehr zum Wort darf niemals abbrechen.
Abschluss
Bevor, während und nachdem ich also Argumente lerne, prüfe, verstehe, vertiefe und oder auch transformiere, mit Menschen ins Gespräch komme oder gar Debatten führe, braucht es zum Wohl der eigenen Seele, der Gemeinde und der Evangelisierung zur erst und vor allem das Streben nach Heiligung, das Gebet und die Heilige Schrift. Es braucht Christus im Zentrum, nicht als Idee, sondern als lebendiger Herr meines Lebens, von dem her, durch den ich und auf den ich hin lebe, wirke, denke und spreche. Dann vermögen sich auch meine Gedanken und Gespräche zu heiligen und meine scheinbar so theoretischen Argumente werden durch mich zu einem lebendigen Tor des Geistes Christi, der die Herzen der Menschen wandelt, wann immer und wo immer er es möchte.
Also: Die Bibel ist immer und zu jeder Zeit das wichtigste Werkzeug und die Quelle allen apologetischen Wirkens: für Dich, die Kirche und für die Mission.