Die Ohnmachts-/ Scheintod-Theorie zur Auferstehung Jesu

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Daniel Ambraß
veröffentlicht am 23.3.2025

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Die Ohnmachtstheorie besagt, dass Jesus durch die Kreuzigung nicht wirklich starb, sondern nur in eine tiefe Bewusstlosigkeit (Scheintod) fiel, im Grab wieder zu Bewusstsein kam und sich selbst befreite. Diese Theorie ist jedoch aus mehreren Gründen äußerst unwahrscheinlich:

Die römischen Soldaten waren Experten in Hinrichtungen

Die römischen Soldaten waren hervorragend ausgebildet und hatten jahrelange Erfahrung in der Durchführung von Hinrichtungen, insbesondere von Kreuzigungen. Diese Strafe war speziell darauf ausgelegt, den Tod mit absoluter Sicherheit herbeizuführen. Die Strafe war nicht nur eine Hinrichtung, sondern eine öffentliche Demonstration römischer Macht und Disziplin. Jeder Fehler der Soldaten hätte für sie schwerwiegende Konsequenzen gehabt. Der römische Militärhistoriker Vegetius beschreibt die Disziplin römischer Soldaten als eine der effektivsten in der Antike:

„Ein untrainierter Soldat ist ein toter Soldat. Wer nicht im Frieden kämpft, wird im Krieg versagen.“

De Re Militari, I, 1

Die Soldaten, die Jesu Hinrichtung durchführten, waren Teil einer römischen Kohorte, die regelmäßig Hinrichtungen durchführte und den Tod der Verurteilten mit absoluter Präzision sicherstellte (vgl. Markus 15,44-45). Es ist unumstritten, dass römische Soldaten Meister im Töten waren.

Todesstrafe für römische Soldaten bei Pflichtversagen

Römische Soldaten waren nicht nur erfahrene Henker, sondern auch strengen Disziplinarvorschriften unterworfen. Wenn sie bei der Hinrichtung Jesu oder bei der Bewachung seines Grabes versagt hätten, hätten sie mit schwersten Strafen rechnen müssen – oft mit dem Tod.

Pilatus selbst war über den Tod Jesu so überzeugt, dass er sich von einem römischen Zenturio die Bestätigung einholte (Markus 15,44-45). Ein solcher Offizier hätte nicht leichtfertig die Nachricht über den Tod eines Gekreuzigten weitergegeben, wenn er nicht absolut sicher gewesen wäre.

Ebenso wurden die Soldaten, die das Grab bewachten, durch das jüdische Establishment bestochen, damit sie eine falsche Erklärung verbreiteten (Matthäus 28,11-15). Dies zeigt, dass die Bewacher wussten, dass ein Versagen bei ihrem Auftrag sie teuer zu stehen kommen würde. Ein vergleichbares Beispiel findet sich in Apostelgeschichte 12,19, wo Herodes Soldaten hinrichten ließ, weil sie Petrus nicht bewachen konnten.

Außerbiblische Bestätigung römischer Militärdisziplin:

Der römische Historiker Polybius (ca. 200–118 v. Chr.) beschreibt die harte Disziplin der römischen Armee in Historien (6.37): „Wenn ein Soldat seine Wache verlässt oder ein anderes schweres Vergehen begeht, wird er mit der Prügelstrafe oder dem Tod bestraft. Die Angst vor Strafe hält die Disziplin aufrecht.“

Flavius Josephus, ein jüdischer Historiker des 1. Jahrhunderts, bestätigt ebenfalls die harte römische Disziplin (Jüdischer Krieg, 3.102): „Römische Soldaten werden niemals nachlässig in ihrem Dienst. Strikte Ordnung herrscht, und die Furcht vor Strafe sorgt für Gehorsam.“

Die Angst vor der römischen Disziplin und möglichen Bestrafungen macht es höchst unwahrscheinlich, dass die Soldaten Jesu Tod nicht ordnungsgemäß überprüft oder das Grab fahrlässig gesichert hätten.

Die brutale Geißelung mit dem römischen Flagellum

Vor der Kreuzigung wurde Jesus mit dem flagrum (auch flagellum genannt) ausgepeitscht (Matthäus 27,26). Dieses Instrument war eine Peitsche mit mehreren Ledersträngen, in die Knochenstücke, Metall oder Bleikugeln eingearbeitet waren. Die medizinische Studie “On the Physical Death of Jesus Christ”, veröffentlicht im Journal of the American Medical Association (JAMA, 1986), beschreibt die Auswirkungen dieser Geißelung:  „Die Geißelung führte zu tiefen Weichteilverletzungen, massiven Blutverlusten und einem hypovolämischen Schock. Die Haut und das darunterliegende Gewebe wurden aufgerissen, oft bis auf die Knochen.“ (Edwards, Gabel & Hosmer, JAMA, 1986)

Viele Verurteilte starben bereits an den Folgen dieser Geißelung. Nach dieser Tortur wäre Jesus in einem so geschwächten Zustand gewesen, dass ein Überleben der Kreuzigung noch unwahrscheinlicher erscheint.

Die Kreuzigung führte mit Sicherheit zum Tod

Die Kreuzigung war eine Methode, die nicht nur qualvolle Schmerzen zufügte, sondern vor allem den Erstickungstod durch Erschöpfung und Kreislaufversagen herbeiführte. Die JAMA-Studie beschreibt, dass der Tod durch eine Kombination aus Hypovolämie (Blutverlust), Herzversagen und erstickungsbedingtem Sauerstoffmangel verursacht wurde.

„Das Opfer musste sich durch Schmerzen an den Nägeln aufrichten, um atmen zu können. Sobald die Erschöpfung einsetzte, trat der Erstickungstod ein.“ 

Edwards, Gabel & Hosmer, JAMA, 1986

Johannes 19,34 berichtet, dass ein Soldat Jesu Seite mit einer Lanze durchbohrte, woraufhin Blut und Wasser austraten. Medizinische Experten deuten dies als Zeichen eines Perikardergusses, also einer Flüssigkeitsansammlung um das Herz – ein klares Indiz für den Tod.

Im Fazit schreiben die Autoren der JAMA Studie:

Es bleibt also ungeklärt, ob Jesus an einem Herzinfarkt oder an kardiorespiratorischem Versagen starb. Wie auch immer, das wichtige Merkmal ist vielleicht nicht wie er gestorben ist, sondern eher, ob er starb. Das Gewicht der historischen und medizinischen Beweise darauf hin, dass Jesus tot war, bevor ihm die Wunde an der seiner Seite zugefügt wurde, und unterstützt die traditionelle Ansicht, dass der Speer, der Speer, der zwischen seine rechten Rippen gestoßen wurde, wahrscheinlich nicht nur die rechte Lunge durchbohrt hat sondern auch den Herzbeutel und das Herz und und damit seinen Tod sicherte. Diese Interpretationen beruhen auf der Annahme, dass Jesus am Kreuz nicht gestorben sei – eine Behauptung, die in klarem Widerspruch zu den modernen medizinischen Erkenntnissen über die physiologischen Folgen einer Kreuzigung steht.

Edwards, Gabel & Hosmer, JAMA, 1986

Das Grab und die Befreiung wären unmöglich gewesen

Selbst wenn Jesus die Kreuzigung überlebt hätte (und dies darf zurecht bezweifelt werden!), wäre er kaum in der Lage gewesen, sich aus dem Grab zu befreien. Sein Körper wäre von den schweren Wunden, dem Blutverlust und der völligen Erschöpfung gezeichnet gewesen. Zudem war das Grab mit einem schweren Stein versiegelt und von römischen Wachen bewacht (Matthäus 27,66). Ein so geschwächter Mann hätte nicht den Stein wegrollen, an den Wachen vorbeikommen und dann seine Jünger überzeugen können, dass er glorreich auferstanden sei.

Die Verwandlung der Jünger 

Wenn Jesus lediglich überlebt und sich in einem geschundenen, sterbenden Zustand seinen Jüngern gezeigt hätte, wäre dies kaum als triumphale Auferstehung wahrgenommen worden. Statt glühenden Eifers für das Evangelium hätten die Jünger vielmehr medizinische Hilfe gesucht. Die Ohnmachtstheorie kann nicht erklären, warum die Jünger überzeugt waren, Jesus als den verherrlichten Herrn gesehen zu haben – eine Erfahrung, für die sie bereit waren zu sterben (Apostelgeschichte 4,19-20).

Fazit

Die Ohnmachtstheorie widerspricht sowohl der historischen Realität römischer Hinrichtungsmethoden als auch den medizinischen Fakten. Die Kreuzigung war eine hocheffektive Todesstrafe, die keine Überlebenschance ließ. Zudem bleibt das Problem bestehen, wie ein schwer verwundeter Jesus eine Befreiung aus dem Grab bewerkstelligen und seine Jünger zu solch einer tiefen Überzeugung führen konnte. Diese Theorie ist daher nicht haltbar.